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Das Glashaus / The Glasshouse



Installationsansicht Mistelbach, Niederösterreich, 2017 / installation view Mistelbach, Lower Austria, 2017


Im Glashaus thematisiert Matthias Mollner Weltzustände, die durch Klimawandel, Globalisierung und daraus resultierender Flucht- und Migrationsbewegungen entstehen. Die hohe Geschwindigkeit und Komplexität dieser Ereignisse beeinflusst die Leben der einzelnen Menschen in immer größeren Maße und steht vielfach diametral zu den persönlichen Lebenskonzepten. Mollner arbeitet an den Reibungsflächen dieser Phänomene und entwickelt daraus einen visuellen Raum, der aus dem Zustand des Kontrollverlusts seine eigene entschleunigte Metamorphose generiert. Das Glashaus bildet eine Transformation in der Transformation der Gegenwart.

Im Zentrum des Projekts steht ein ca. 2,5 x 2,5 x 3 Meter großes Haus. Das tragende Gerüst dieses Objekts ist aus einem Netzwerk aus Stahlrohren und -gittern gebildet, über dessen komplexer dreidimensionaler Struktur eine Haut aus halbtransparentem Fiberglas liegt. Im Inneren des Hauses sitzen zwei lebensgroße, menschliche Figuren aus Faserbeton, Fiberglas und Stahlblech. Diese von Matthias Mollner und seiner Partnerin Negin Rezaie genommenen Abdrücke stecken in Hüllen, die nur an manchen Stellen die eigentlichen Körper freigeben. Wie in Teig gebacken sitzen die Figuren in unterschiedliche Richtungen gewandt auf einem Holzbock, ihre Köpfe werden von zwei lilafarbenen Schachteln versteckt. Aus diesen Boxen ragen Münder mit roten Lippen, die von den BesucherInnen mit auf Papier geschriebenen Nachrichten gefüttert werden können. Die Skulptur fordert ein aktives Handeln ein, sie ist nicht bloßes Anschauungsobjekt, sondern macht die BetrachterInnen zu AkteurInnen eines kollektiven Bewusstseins. Das Glashaus als Speichermedium „wächst“ mit jeder neu gefütterten Information.


Bedienungsanleitung






















Die Performance – Kreisend in Schlaufen gehen
In der zur Eröffnung des Projekts in Mistelbach gezeigten Performance DAS GLASHAUS / 24 gehen Mollner und Rezaie bis zur Erschöpfung 24 Stunden lang im Kreis. In gleichmäßigem Tempo bewegen sie sich rund um das Haus und ziehen von Zeit zu Zeit Schlaufen ins Innere des Objekts. Der enge, von den zwei sitzenden Figuren ausgefüllte Innenraum unterbricht die Kontinuität ihres Gehens. Sobald Mollner und Rezaie das Haus betreten, werden ihre Schritte unregelmäßig, da sie hier über Hindernisse steigen und einen engen Zirkel beschreiten müssen. Die im Haus Gehenden müssen nun die eigenen, in der Skulptur abgeformten Körper überwinden. Die von Mollner und Rezaie in das Haus gezogene Schlaufe bedeutet zumeist auch einen Richtungswechsel in den Kreisrunden, das Hintereinandergehen wird zum Sich begegnen, der der/die Vorangehende wird zum/zur Nachgehenden. Der Witterung ausgesetzt gehen Mollner und Rezaie durch sommerliche Hitze und Gewitterregen, blendendem Tageslicht und künstlich beleuchteter Dunkelheit. Einen ganzen Tag lang sind sie in der Performance, den Großteil der Zeit im Kreis gehend, bis sie körperliche Schmerzen und Erschöpfung zu kurzen Verschnaufpausen zwingen. In der Gleichmäßigkeit der stundenlangen Bewegung gelangen sie in einen Zustand, der seltsame Reaktionen hervorruft.
Mollner: Die Beine bewegen sich von alleine. Schritt für Schritt, Runde für Runde, Eintönigkeit. Meine/Unsere Hände schwellen in ihrer Unbewegtheit an, die Finger baumeln wie dicke Würste herab. Der auf den Boden fokussierte Blick verengt sich. Wenn ich kurz aufblicke und die Augen in die Ferne richte, sehe ich verschwommen. Ich muss ins Haus gehen um diesen Zustand des eigenen Verfalls zu durchbrechen. Hier im Haus stottert die Bewegung, hier werde ich rausgeholt aus dem ewigen Kreisen um mich selbst. Das Spiel der Kontinuität kann nur in ihrer Unterbrechung Neues hervorbringen. Das Weltsystem transformiert dann, wenn das im Außen kreisen unterbrochen wird und ich im Inneren (in mir) stehe.




http://mollner.blogspot.co.at/2017/04/glasshouse-skulptur.html
http://mollner.blogspot.com/2017/06/haushaus.html
http://mollner.blogspot.com/2017/04/homo-sapiens-photography.html
http://mollner.blogspot.co.at/2017/04/24-hour-midge.html

















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